Mit einem Festakt im Schloss Herrenhausen hat das Forschungszentrum L3S am 18. September sein 25-jähriges Bestehen gewürdigt. Gäste aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft sowie Alumni aus aller Welt blickten gemeinsam auf die Entwicklung des Forschungszentrums zurück und diskutierten aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der KI-Forschung.
Grußworte und Rückblick auf 25 Jahre Forschung
Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführenden Direktor des L3S, Professor Bodo Rosenhahn, richteten Falko Mohrs, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, Dr. Georg Schütte von der VolkswagenStiftung und Professor Holger Blume von der Leibniz Universität Hannover ihre Grußworte an das Forschungszentrum. Weitere Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Wirtschaft und Politik gratulierten per Videobotschaft.
Anschließend blickten Bodo Rosenhahn und L3S-Gründungsdirektor Professor Wolfgang Nejdl auf die Entwicklung des Forschungszentrums zurück. Die Geschichte des damaligen „Learning Lab Lower Saxony“ begann 2001 im ehemaligen Deutschen Pavillon der EXPO 2000. Im Mittelpunkt stand zunächst die Frage, wie sich das Lernen an Hochschulen mithilfe digitaler Technologien verbessern lässt. Später verlagerte sich der Schwerpunkt auf die gesellschaftlichen Auswirkungen des World Wide Web. Heute beschäftigt sich das L3S unter anderem damit, wie sich vertrauenswürdige KI-Systeme entwickeln und einsetzen lassen.
Der Rückblick verdeutlichte zugleich die internationale Wirkung des Forschungszentrums: Zahlreiche ehemalige L3S-Mitglieder forschen und lehren heute an Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt.
Internationale Alumni stellen aktuelle Forschung vor
Im wissenschaftlichen Vorprogramm kehrten drei ehemalige L3S-Forscher nach Hannover zurück und präsentierten ihre aktuelle Arbeit. Die Beiträge von Associate Professor Ujwal Gadiraju von der TU Delft, Professor Gianluca Demartini von der University of Queensland und der Technischen Universität München sowie Tuan Tran von Meta verband die Frage, unter welchen Voraussetzungen Künstliche Intelligenz Vertrauen verdient.
Ujwal Gadiraju sprach über die Rolle von Vertrauen in KI-gestützten menschlichen Entscheidungen. Dabei unterschied er zwischen allgemeinem Vertrauen und einem begründeten Vertrauen beziehungsweise Misstrauen gegenüber den Ergebnissen eines Systems.
Gianluca Demartini zeigte, wie sich politische Verzerrungen in großen Sprachmodellen erfassen und beeinflussen lassen. Er erläuterte zudem, warum ein transparenter Umgang mit bestehenden Verzerrungen für Nutzende hilfreicher sein kann als der Versuch, diese vollständig zu beseitigen.
Tuan Tran stellte Verfahren für unsichtbare Wasserzeichen in KI-generierten Bildern, Videos, Audiodateien und Texten vor. Solche technischen Ansätze können dazu beitragen, die Transparenzanforderungen des EU AI Act umzusetzen. Wolfgang Nejdl und Bodo Rosenhahn leiteten die Session.
Chancen für Gründungen und die europäische KI-Forschung
Zwei weitere Vorträge betrachteten die Chancen der Künstlichen Intelligenz aus wirtschaftlicher und wissenschaftspolitischer Perspektive.
Professor Marianne Winslett von der University of Illinois Urbana-Champaign und R3i Ventures widmete sich in ihrer Keynote den Gründungschancen für Informatikerinnen und Informatiker. Winslett gehörte von 2011 bis 2019 dem Scientific Advisory Board des L3S an. In ihrem Vortrag vertrat sie die These, dass technologische Methoden allein nur selten einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil schaffen, da sie sich häufig schnell kopieren lassen. Erfolgversprechende Möglichkeiten entstünden vor allem dort, wo technisches Wissen auf ein tiefes Verständnis eines konkreten Anwendungsfeldes trifft. Als Beispiel nannte sie den medizinischen Bereich, von der Bildgebung bis zum Austausch von Patientendaten.
Marius Lindauer, Mitglied des L3S und Professor für Maschinelles Lernen an der Leibniz Universität Hannover, befasste sich in seinem Vortrag „Tribute Talk or Rant Talk?“ mit den Rahmenbedingungen der KI-Forschung in Europa. Zu den behandelten Themen gehörten der Einsatz von KI in Forschung und Lehre, ihr Energiebedarf und die Rolle Norddeutschlands als Forschungsstandort. Lindauer sprach sich unter anderem für eine leistungsfähigere Forschungsinfrastruktur mit ausreichenden GPU-Ressourcen, eine stärkere Grundfinanzierung, mehr Freiräume für neue Lehr- und Lernformen sowie einen engeren Austausch zwischen Wissenschaft und Politik aus.
Regulierung zwischen Vertrauen und Innovationsfähigkeit
Ein Podiumsgespräch griff die Frage auf, wie KI-Forschung und Innovation in einem dynamischen Umfeld gestaltet werden können. Im Mittelpunkt stand das Verhältnis zwischen Regulierung, Vertrauen und Wettbewerbsfähigkeit.
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass verbindliche Regeln Vertrauen in KI-Anwendungen schaffen können. Zugleich wurde diskutiert, wie sich Prüf- und Zulassungsverfahren mit der hohen Entwicklungsgeschwindigkeit von KI vereinbaren lassen. Insbesondere für kleinere Unternehmen können komplexe Vorgaben einen erheblichen Aufwand bedeuten.
Beispiele aus der Praxis zeigten mögliche Lösungsansätze. Dazu gehörten Prüfkataloge, mit denen Fraunhofer Unternehmen bei der sicheren Einführung von KI begleitet, sowie der Mobility Data Space. In diesem neutralen und dezentralen Datenraum teilen Fahrzeughersteller unter anderem Gefahrenmeldungen, um die Verkehrssicherheit zu verbessern. Als weitere Voraussetzungen für Innovation nannten die Teilnehmenden Reallabore für die praktische Erprobung neuer Technologien und Regelungen, die auch kleinere Akteure umsetzen können.
Zum Abschluss diskutierte das Podium, was Europa benötigt, damit aus erfolgreicher Forschung international wettbewerbsfähige KI-Unternehmen entstehen. Genannt wurden unter anderem ausreichende Rechenressourcen, qualifizierte Fachkräfte, eine konsequente Orientierung an konkreten Kundenbedarfen und mehr Vertrauen in die eigenen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Stärken.
An dem Gespräch beteiligten sich Dr. Thomas Lange von Achleitner Ventures, Dr. Larisa Wewetzer vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Dr. Michael Nolting von ultra mAInds, Professor Stefan Wrobel von der Universität Bonn, dem Fraunhofer IAIS und LAMARR-Institut, Marc Augusto vom Mobility Data Space und Junior Professor Yao Rong von der Leibniz Universität Hannover und CAIMed. Die Moderation übernahm der Chief Strategy Officer des L3S, Dr. Johannes Winter.
Einblicke in aktuelle Projekte und Ausblick
Poster-Sessions und Live-Demonstrationen boten den Gästen über den Tag hinweg Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte des L3S. Den Abschluss bildete ein Empfang mit Live-Musik und Gelegenheit zum fachlichen und persönlichen Austausch.
Der Blick richtete sich zugleich auf die weitere Entwicklung des Forschungsstandorts. Wenige Tage vor dem Festakt wurde der Grundstein für den Digital Innovation Campus in Hannover gelegt. Dort werden das L3S und das CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit ab Ende 2028 gemeinsam zu Künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit forschen.
Erfahren Sie mehr über die Geschichte des L3S
Wenn Sie mehr über die 25 Jahre erfahren möchten, die das Forschungszentrum L3S geprägt haben, können Sie hier in seine Geschichte eintauchen.






