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Vertrauenswürdige KI

Offen, ethisch, europäisch

Künstliche Intelligenz verändert unseren Alltag – in der Medizin, im Unterricht, in der Klimaforschung und auf sozialen Plattformen. Doch technologischer Fortschritt braucht Vertrauen. Entscheidend sind zuverlässige Daten, transparente Methoden und Ergebnisse, die ethischen Standards entsprechen. Vertrauenswürdige KI bedeutet, dass Systeme nicht nur leistungsstark, sondern auch fair, nachvollziehbar und verständlich sind.

Twitter/X – eine Lektion in Abhängigkeit

Ein warnendes Beispiel liefert die Plattform Twitter – heute X. Über Jahre hinweg nutzten Forscher die offenen Schnittstellen, um politische Diskurse, Desinformation oder Krisenkommunikation zu analysieren. Tausende Studien basierten auf diesen Daten. Als der Zugang 2023 abrupt gesperrt wurde, blieben viele Projekte unvollendet, Ergebnisse konnten nicht mehr überprüft werden. Das zeigt: Forschung, die auf privaten Plattformen basiert, steht auf unsicherem Fundament. Vertrauenswürdige KI braucht daher dauerhafte, unabhängige und offene Dateninfrastrukturen.

Europas Verantwortung: Souveränität durch eigene Infrastrukturen

„Die Abhängigkeit von kommerziellen Gatekeepern gefährdet nicht nur den wissenschaftlichen Fortschritt, sondern auch die digitale Souveränität Europas“, sagt Dr. Marco Fisichella, der am L3S zu vertrauenswürdiger KI forscht. Es brauche europäische Infrastrukturen, die Ethik, Transparenz und Datenschutz – etwa gemäß der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) – gewährleisten. Initiativen wie SoBigData gehen hier voran: Sie ermöglichen offenen und gleichberechtigten Zugang zu vielfältigen Datensätzen und verankern Fairness, Rechenschaftspflicht, Vertraulichkeit und Transparenz in der Forschungspraxis.

Von ethischen Prinzipien zur Reproduzierbarkeit

Reproduzierbarkeit ist ein Grundpfeiler wissenschaftlicher Arbeit. Wenn Daten verschwinden oder sich Zugangsbedingungen plötzlich ändern, lassen sich KI-Ergebnisse weder überprüfen noch weiterentwickeln. „Öffentliche Infrastrukturen wie SoBigData bieten dauerhafte, gut dokumentierte Datensätze und Werkzeuge, die Verlässlichkeit und Vertrauen fördern“, betont Fisichella. „Gleichzeitig integrieren sie ethische Leitlinien, damit Innovation im Einklang mit Datenschutz und Persönlichkeitsrechten entsteht.“

Gesellschaftliche Herausforderungen gemeinsam angehen

Vertrauenswürdige KI ist mehr als Technologie – sie ist ein Werkzeug zur Bewältigung zentraler Herausforderungen unserer Zeit: Desinformation, Klimawandel, Katastrophenschutz und öffentliche Gesundheit. Dafür braucht es große, diverse Datensätze – und die Verpflichtung, sie verantwortungsvoll zu nutzen. „Offene Zugänge, ethische Prinzipien und moderne KI-Verfahren machen Infrastrukturen wie SoBigData zu Schlüsseltechnologien einer KI, die der Gesellschaft dient“, sagt Fisichella. Deutschland spielt dabei eine zentrale Rolle.

Der Beitrag des L3S

Das Forschungszentrum L3S bündelt Expertise in maschinellem Lernen, Sprachverarbeitung, Datenmanagement und Datenschutztechnologien, um vertrauenswürdige KI-Systeme zu entwickeln. Ein Beispiel ist die Langzeitarchivierung von Web- und Social-Media-Daten, die sicherstellt, dass wissenschaftliche Ergebnisse auch dann reproduzierbar bleiben, wenn kommerzielle Plattformen ihre Richtlinien ändern. Ein weiteres Feld ist das föderierte Lernen, bei dem KI-Modelle auf verteilten Daten trainiert werden – ohne die Privatsphäre zu gefährden. Fisichella ist überzeugt: „Durch die Verankerung ethischer Grundsätze, Transparenz und Reproduzierbarkeit in seinen Infrastrukturen trägt das L3S zu einem europäischen Modell der KI bei, das innovativ, verantwortungsvoll und vertrauenswürdig ist.“

Vorgestellte Projekte
Kontakt

Dr. Marco Fisichella

Marco Fisichella ist Forschungsgruppenleiter am L3S und deutscher Koordinator für SoBigData PPP. Seine Forschungsschwerpunkte: Vertrauenswürdige KI, föderiertes Lernen und Verarbeitung natürlicher Sprache.