Soofi startet Testphase seines Sprachmodells

Das im November 2025 unter Beteiligung des L3S gestartete Projekt Soofi kann mit der Entwicklung des Sprachmodells „Soofi S“ einen ersten Erfolg vermelden.

„Soofi S“ versteht Sprache und kann eigenständig Texte erzeugen. Das Modell kann beispielsweise in Chatbots eingesetzt werden oder in industriellen Anwendungen dabei helfen, große Dokumentenmengen auszuwerten, Programmiercode zu erstellen oder Prozesse zu analysieren. Technisch basiert Soofi S auf einem sogenannten „Mixture-of-Experts“-Ansatz und wurde mit insgesamt 30 Milliarden Parametern auf rund 27 Billionen Textbausteinen (Tokens) trainiert.

Innerhalb des Projekts arbeiten die Wissenschaftler des Forschungszentrums L3S unter anderem daran, die Sicherheit der entwickelten Sprachmodelle zu gewährleisten. Ziel ist es, die Systeme so zu gestalten, dass sie keine Inhalte erzeugen, die Menschen schaden könnten – etwa beleidigende oder diskriminierende Aussagen. Auch gefährliche Anleitungen oder die Preisgabe vertraulicher Informationen sind ein Tabu für „Soofi S“. Darüber hinaus untersucht das L3S das kulturelle Verständnis der Modelle, also inwiefern sie europäische und deutsche Werte widerspiegeln. Zudem koordiniert das L3S die Zusammenarbeit mit der Industrial AI Cloud der Deutschen Telekom in München – dem Rechenzentrum, auf dem „Soofi S“ entwickelt wurde – und bringt seine Forschungsexpertise in den gesamten Entwicklungsprozess ein.

„Soofi verdeutlicht, wie wichtig exzellente Forschung und gut ausgebildete Fachkräfte für die technologische Souveränität Europas sind. Gerade im Bereich der KI wird der Bedarf an qualifizierten Expertinnen und Experten in diesem zukunftsweisenden Arbeitsfeld weiterwachsen. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass Innovationen in der KI weit über die Entwicklung von Algorithmen hinausgehen und auf leistungsfähiger Hardware, modernen Kommunikationssystemen und intelligenten technischen Infrastrukturen aufbauen“, sagt Prof. Dr.-Ing. Peter Werle, Dekan der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik an der LUH.

Ein besonderer Fokus des Soofi-Projekts liegt demnach auf der Stärkung der technologischen Souveränität Europas: Mit Soofi S und den geplanten weiteren Modellversionen entsteht eine unabhängige Alternative zu bestehenden, kommerziellen Sprachmodellen internationaler Anbieter. Darüber hinaus setzt das Projekt auf Transparenz, unter anderem durch die Dokumentation der verwendeten Daten und ihrer Aufbereitung.

„Gerade in einer Zeit, in der der Zugang zu leistungsfähigen KI-Systemen in Europa nicht mehr garantiert ist, gewinnt der Aufbau eigener europäischer Lösungen zunehmend an Bedeutung. Mit Soofi leisten wir einen wichtigen Beitrag zu einer souveränen und transparenten KI-Entwicklung in Europa“, sagt Prof. Dr. techn. Wolfgang Nejdl, Direktor des Forschungszentrums L3S.

„Soofi S“ wird nun gemeinsam mit Unternehmen aus der Industrie in praxisnahen Anwendungsszenarien getestet. Ziel ist es, frühzeitig Erfahrungen aus realen Einsatzkontexten zu gewinnen und die Weiterentwicklung des Modells eng an den Anforderungen der Wirtschaft auszurichten. Damit sollen Unternehmen künftig in die Lage versetzt werden, die Soofi-Sprachmodelle gezielt in ihre Prozesse und Produkte zu integrieren.

Konsortium und Förderung

An Soofi sind bundesweit sechs führende Forschungseinrichtungen beteiligt – darunter neben dem L3S das Fraunhofer IAIS, das Fraunhofer IIS, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, die Universität Würzburg, die TU Darmstadt, die Berliner Hochschule für Technik – sowie zwei Start-ups. Die Konsortialführung liegt beim KI-Bundesverband. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert Soofi mit insgesamt rund 20 Millionen Euro.