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Mit Daten gegen Desinformationen
Banner des MediaFuture second cohort

Von Augmented-Reality-Dinosauriern bis hin zu gefälschten Videoüberwachungsanlagen: Start-ups und KünstlerInnen erhalten im europäischen Innovationshub MediaFutures bis zu 80.000 Euro, um mit Hilfe von Daten gegen Desinformation vorzugehen.

 

Das EU-geförderte Projekt MediaFutures bringt Start-ups, KMUs und KünstlerInnen zusammen, um Herausforderungen in der Medienbranche zu lösen. Nun stellt es 24 neue Projekte vor, die im Rahmen von drei Förderprogrammen mit Finanzmitteln, Mentorings und Trainings unterstützt werden, um innovative Ideen zur Bekämpfung von Desinformation mithilfe von Daten zu entwickeln. Fünf Projekte nehmen am Residenzprogramm für KünstlerInnen teil und erhalten bis zu 30.000 Euro, während neun Start-ups sowie zehn Kooperationsprojekte zwischen Start-ups und KünstlerInnen 5.000 Euro und einen Monat Zeit erhalten, um ihre Ideen zu entwickeln. Anschließend haben sie die Möglichkeit, im Rahmen eines Pitch-Wettbewerbs in der nächsten Programmphase einen von sieben Plätzen zu gewinnen, die mit bis zu 80.000 Euro dotiert sind. 

 

„In einer Welt zunehmender Komplexität und Spannungen werden wir einmal mehr daran erinnert, wie wichtig der Zugang zu sachlichen Informationen ist, die uns in die Lage versetzen, angemessene und fundierte Entscheidungen zu treffen. Wir bei MediaFutures sind stolz und freuen uns, unseren zweiten Jahrgang begrüßen zu dürfen. Unsere TeilnehmerInnen sind die Stars unserer Förderprogramme, und wir freuen uns darauf, zu sehen, wie alle Teams durch diese Programme wachsen und gedeihen,“ sagt Alexandra Garatzogianni, Koordinatorin von MediaFutures, Leiterin des Bereichs Wissens- und Technologietransfer der TIB und Projektkoordinatorin am L3S.

 

MediaFutures umfasst drei Programme: "Artists for Media", ein Residenzprogramm für Künstler, "Start-ups for Citizens", ein Start-up-Accelerator, und "Startup meets Artist", ein besonderes Programm, das KünstlerInnen und Start-ups bei der gemeinsamen Arbeit an einem Projekt unterstützt.

 

 

Artists for Media

Die folgenden Projekte nehmen am Residenzprogramm für Künstler teil:

  • Edit Wars ist ein interaktives Projekt von vier Datenjournalisten und Künstlern aus Georgien und Deutschland. Ihre Arbeit analysiert Publikationen von Medien, welche die zunehmende Militarisierung und Manipulation des Massenbewusstseins in Russland begleiten. Es befasst sich insbesondere mit der Verwendung aggressiver Narrative in den von der autoritären Regierung kontrollierten Medien, die die öffentliche Wahrnehmung von der realen Situation isolieren.
  • How many heartbeats to send a love email? ist ein Kunstwerk der Künstlerin Kasia Molga, das durch interaktive Erfahrungen, die unsere eigene Körperenergie einbezieht, eine neue Wahrnehmung über Energie und digitale Daten bietet. Mit diesem Kunstwerk soll ein Bewusstsein für die digitale Umweltverschmutzung durch Informationsüberflutung und Fake News geschaffen und unsere intime Beziehung zu Online-Daten hinterfragt werden.
  • Invisible Voice ist ein von Mark Farid geleitetes Projekt, in welchem ein kostenloses Browser-Plugin entwickelt wird, das es dem Nutzer ermöglicht, durchdachte Entscheidungen über die von ihm genutzten Websites und Unternehmen zu treffen. Beim Klicken auf einer der Browser-Schaltflächen, öffnet sich ein Pop-up-Fenster, das folgende Informationen enthält: Eigentümer, Muttergesellschaft, verbundene Unternehmen, politische Ausrichtung, Einnahmen, Vermögenswerte, Mitarbeiterzahlen, Statistiken zu Inklusion und Vielfalt, Umweltpraktiken, billige Arbeitskräfte und weitere Informationen über die Praktiken des Unternehmens.
  • Synthetic Identity Speculations ist ein partizipatorisches, künstlerisches Forschungsprojekt von Michael Wallinger und Blaukind, das die individuellen Synergieeffekte von Algorithmen sozialer Netzwerke und ihre Auswirkungen auf Körperbilder untersucht. Die Forschung beginnt mit der Erkundung des Potenzials synthetischer Daten und des Data Scraping, um die Auswirkungen algorithmischen Handelns auf Ästhetik, Ikonografie, Choreografie und Authentizität zu verfolgen und zu vergleichen.
  • The more the better (two truths and a lie) ist eine Multimedia-Installation des ungarisch-amerikanischen Künstlers Mihály Kornai, die das Verhältnis zwischen Fremdsprachen, Muttersprachen und Vertrauenswürdigkeit untersucht. Die aus 100 Kanälen und 100 Sprachen bestehende Installation kombiniert experimentelle Dokumentarfilme, Videokunst, Raumklang und Assemblage und nutzt das Kinderspiel "Zwei Wahrheiten und eine Lüge", um Wahrheit und Fiktion über den Punkt der Unterscheidbarkeit hinaus zu vermischen.

 

Startups for Citizens

Die folgenden Projekte nehmen am Startup-Accelerator-Programm teil:

  • B-ray (oder Bot-ray) wurde von einem Team aus Forschern, Datenwissenschaftlern, Designern und Unternehmern entwickelt, das Twitter-Netzwerke durchleuchtet, um jegliche kognitive Verzerrungen (zu Engl.: noise) zu isolieren, das durch 33 % der Inhalte und 66 % der URLs verursacht wird, die ausschließlich von Bots geteilt werden.
  • Citizens Economy Dashboard stammt von der britischen Wohltätigkeitsorganisation Economy, die Gemeinschaften in den Mittelpunkt stellt, um der Wirtschaft einen Sinn zu geben. Sie werden partizipatorische Methoden einsetzen, um gemeinsam mit der Öffentlichkeit die Art und Weise, wie im Vereinigten Königreich über Wirtschaftsdaten berichtet wird, neu zu gestalten. Das Projekt wird Raum bieten, um zu hinterfragen, welche Daten als "wichtig" angesehen werden, und um zu erforschen, wie wir ihre Bedeutung für das Leben der Menschen kontextualisieren. 
  • Cut the BS out ist ein Projekt des niederländischen Deeptech-Start-ups CADChain, das einen Bias Score (BS)-Algorithmus entwickelt, um die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in textuellen Datenquellen zu beseitigen und den Frauen, die die zugrunde liegenden Datensätze oder Algorithmen erstellen, die Anerkennung und Teilhabe zu übertragen. Ihr Algorithmus wird als Gütesiegel für die Datennutzung eines Unternehmens dienen und transparente Einblicke (unter Wahrung der Privatsphäre) in ihren BS liefern.
  • Factiverse ist ein B2B-Tool mit Schwerpunkt auf Faktenüberprüfung und Glaubwürdigkeit. Es stattet Journalisten und Autoren von Inhalten mit patentierten KI-gesteuerten Lösungen aus, die ihnen helfen, ihre beste Arbeit schneller zu erledigen und die Verbreitung von Desinformation zu verhindern. Es bietet eine automatische Erkennung von Misinformation und eine Glaubwürdigkeitsprüfung für alle Online-Informationen durch den Einsatz modernster künstlicher Intelligenz und natürlicher Sprachverarbeitung.
  • Ochi ist eine App der ukrainischen wissenschaftlichen Medienplattform Kunsht, die die Zeit am Bildschirm in Zeit zum Lernen von Medienkompetenz für Kinder verwandelt. Es gibt eine Reihe von Spielen und Tests zu Themen wie Hassreden, Echokammern, Fälschungen, die Arbeit von Algorithmen, Gatekeepern, Trolling, Stereotypen, kognitiven Vorurteilen und mehr. Das alles zusammen mit einem persönlichen Dinosaurier in erweiterter Realität, der durch die regelmäßige Beschäftigung mit der App, die sich zusammen mit dem Wissen des Kindes entwickelt, unterstützt wird.
  • Our Tribune will einen Raum für alle schaffen, die sich aktiv am politischen Leben der Gesellschaft beteiligen wollen. Die Mission von Our Tribune ist es, das bürgerliche Engagement zu stärken, indem ein unabhängiges Medienangebot geschaffen wird, das qualitativ hochwertige Inhalte von Autoren mit offenen Regierungsdaten verbindet. Schöpfer und Verbraucher werden in die Lage versetzt, zusammenzuarbeiten, und es werden offenere und direktere Verbindungen zwischen Institutionen und Verbrauchern geschaffen.
  • Polltix ist ein litauisches Start-up-Unternehmen, das ein Widget entwickeln wird, mit dem Medienunternehmen ihre Leser direkt auf ihrer Website befragen und repräsentative Ergebnisse erhalten können. Das Widget wird auch einen Desinformationsindex enthalten, der das Ausmaß der Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch Desinformation aufzeigt und die Medien in die Lage versetzt, mehr Inhalte zu produzieren, die sich mit den einflussreichsten Desinformationsnarrativen befassen, und so dazu beiträgt, die Widerstandsfähigkeit der Öffentlichkeit gegenüber diesen Narrativen zu erhöhen.
  • Ptolemy ist eine Karten-App für Touristen, die von dem Kartographen Nick Lempesis und dem Tourismusexperten Simone Vaccari entwickelt wurde und sich auf das kulturelle, historische und künstlerische Erbe von Reisezielen in Europa konzentriert. Ptolemy nutzt moderne Webtechnologien und verknüpfte offene Daten sowie die Erfahrung lokaler Geschichtenerzähler, um Reiseerfahrungen zu vertiefen, den Zugang zu hochwertigen Informationen zu erleichtern und Orte durch Multimedia und Angebote zu entdecken, die den Reisenden eine erinnerungswürdige Erfahrung bieten.
  • Relevanzreporter Nürnberg ist eine unabhängige Lokalredaktion aus Nürnberg, die gemeinsam mit den Bürgern der Stadt zukunfts- und lösungsorientierten Journalismus liefert. Mit Hilfe von MediaFutures starten sie ein Community-Forschungsprojekt, das GPS-Technologie mit Community-gesteuertem Lokaljournalismus kombiniert, um einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft, die Politik, die Umwelt und insgesamt das Vertrauen in die Medien zurückzugewinnen, indem sie selbst Teil davon werden.

 

Startup meets Artist

Die folgenden Projekte nehmen am Kooperationsprogramm für gemeinsame Startup- und Künstlerteams teil:

  • Doppelgänger ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Dokumentarfilmer Michael Madsen und dem Deep-Tech-Unternehmen Kaspar, die sich mit Fragen der Massenüberwachung befasst, insbesondere mit CCTV-Systemen und den aktuellen GDPR-Vorschriften in Europa. Doppelgänger zielt darauf ab, die Neutralität und Vertrauenswürdigkeit von Bildern, die von einer Maschine aufgenommen wurden, in einem Zeitalter, in dem Deep-Fake-Technologie weit verbreitet ist, in Frage zu stellen.
  • EPIPHANY ist ein Projekt eines Teams von Wissenschaftlern, Ingenieuren, Kunstschriftstellern, Kuratoren und Künstlern, das künstliche Intelligenz auf der Grundlage von maschinellem Lernen einsetzt, um Realitäten zu schaffen, die nicht existieren, und die Öffentlichkeit dazu zu bringen, das zu hinterfragen, was sie weiß. Anhand einer Erzählung und Kleingedrucktem, die sich an die Avantgarde des Surrealismus anlehnen, werden die Produktion von Fake News und die Art und Weise, wie wir eine Tatsache als real akzeptieren, erforscht, um schließlich eine Erkenntnis der Wahrheit herbeizuführen.
  • Factinsect ist ein KI-gestütztes automatisches Tool zur Überprüfung von Fakten mit einem einfachen Ampelsystem, das den Lesern Informationen über die Glaubwürdigkeit ihrer Nachrichteninhalte liefert, um den Schaden durch Fake News zu mindern. Die audiovisuelle Darstellung ändert sich je nach Vertrauenswürdigkeit des Artikels und den Emotionen des Lesers. Ziel ist es, die positiven Auswirkungen des Factinsect über die Kunst zu zeigen und die Möglichkeiten zu erforschen, neue technologische Fortschritte in künstlerische Kreationen einzubeziehen.
  • Maya ist ein Projekt, das vom italienischen KMU WPWEB und der Tänzerin und Choreografin Matilde Demarchi entwickelt wurde, um die Öffentlichkeit für die Konzepte der Desinformation und Misinformation zu sensibilisieren. Es handelt sich um eine interaktive Live-Performance, bei der Tanz, Projektionen und fortgeschrittene Techniken der künstlichen Intelligenz miteinander kombiniert werden, wobei das Publikum einer Reihe von Behauptungen ausgesetzt wird: einige sind offenkundig wahr, andere offenkundig falsch, und wieder andere könnten je nach Kontext sowohl wahr als auch falsch sein.
  • mdAID ist ein Projekt der Künstler Fotis Pehlivanidis und Sotos Anagnos sowie des Start-ups IntelliDech. Sie werden Folgendes entwickeln: eine kostenlos nutzbare und öffentlich zugängliche Visualisierungsmaschine für Fake News; eine Gemeinschaftsplattform zur Bekämpfung von Desinformation, die es Bürgern, Künstlern und Journalisten ermöglicht, ihre Ansichten, ihr Material und ihr Fachwissen offen mitzuteilen, um die Verbreitung von Fake News zu bekämpfen; und eine KI-gestützte Daten-API, die Journalisten und Verlegern hilft, Fake News zu erkennen, bevor sie veröffentlicht werden.
  • MUMIDIS ist ein offener Online-Raum der ukrainischen Forschungskooperation uTrigg, der die Menschen über die Methoden der Gehirnwäsche durch Desinformation aufklären soll. Mithilfe realistischer visueller (eine 3D-Stadt) und akustischer (Klangkunst) Erlebnisse werden die Menschen auf spielerische Weise aufgefordert, falsche und vertrauenswürdige Nachrichten zu erraten, wobei die Emotions-KI-Technologie die Emotionen der Leserinnen und Leser misst und vergleicht, während sie vertrauenswürdige oder gefälschte Nachrichten konsumieren.
  • Museum of Re:Information ist ein interaktives Multiplattform-Projekt von Concept Studio und dem bildenden Künstler Momchil Alexiev. Es besteht aus einer Reihe von Nachrichtenspielen und digitalen Kunstwerken, die in einem virtuellen Raum aufgebaut sind. Es definiert Re:Information als den Prozess der Rekontextualisierung gegensätzlicher Standpunkte durch eine Spielumgebung, um das Bewusstsein zu schärfen und den Einzelnen zu befähigen, die von ihm konsumierten Informationen kritisch zu bewerten.
  • SciArt Checker ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem Opscidia-Startup 'Science Checker' und einer Wissenschafts-Comedy-Showgruppe, die sich auf Theater in der Wissenschaftsvermittlung spezialisiert hat. Das Projekt bietet eine neue Art der Darstellung wissenschaftlicher Informationen durch Theatralisierung. Der Bildschirm der SciArt Checker-Anwendung verwandelt sich in eine Szene, in der Avatare erscheinen, um den Benutzer herauszufordern und zu führen und ihm ein einzigartiges Erlebnis zu bieten.
  • The Oracle Network ist ein Kunstwerk eines Teams, das sich aus einem Full-Stack-Entwickler, einem Forscher für künstliche Intelligenz, einem visuellen Künstler mit einem Hintergrund in Philosophie und Anthropologie und einem Spielekünstler zusammensetzt. Es beginnt mit urbaner Augmented-Reality-Kunst (AR), die über die ganze Stadt verteilt ist und wie eine Schatzsuche zum Central Hub führt, wo die Besucher mit Kunstinstallationen der künstlichen Intelligenz interagieren, die den Betrachter allmählich in den abstrakten technischen Raum der Fake-Medien einführen.
  • Time-Lapse Migration ist ein digitales Tool des Start-ups La Tempesta und des Künstlerteams Varvara&Mar, das der Desinformation  und Desinformation über das Flüchtlingsphänomen in Europa entgegenwirken soll, indem es einen breiteren Kontext und ein anderes Licht auf die Migrationsströme, ihre Beweggründe und Probleme, aber auch auf vergangene Episoden von Zwangsmigration in Europa und ihre Beiträge zur europäischen Kultur wirft. Die Idee ist, die Geschichten der Flüchtlinge mithilfe von KI in eine visuelle Sprache zu übersetzen.

 

Weitere Informationen zu den einzelnen Projekten finden Sie unter: https://mediafutures.eu/projects/

 

 

Über das Projekt MediaFutures

Das Projekt MediaFutures wird von einem Konsortium bestehend aus 10 Organisationen aus sechs europäischen Ländern durchgeführt: Leibniz Universität Hannover (Koordinator), King’s College LondonInstitute for Research and Coordination in Acoustics/Music (IRCAM), Centre PompidouUniversität LUISSZabala Innovation ConsultingNext Media AcceleratorEurecat Technology Center of CataloniaOpen Data InstituteDEN Institute und KU Leuven.

Das Projekt wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des Horizon 2020 Programms „Big Data Innovation Hubs Programm“ finanziert. MediaFutures ist Teil der öffentlich-privaten Partnerschaft Big Data Value und des S+T+ARTS-Ökosystems.

Ansprechpartnerin für das Projekt MediaFutures ist Alexandra Garatzogianni, Koordinatorin von MediaFutures, Leiterin des Wissens- und Technologietransfers an der TIB und Koordinatorin von EU-Projekten am Forschungszentrum L3S.

 

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: info@mediafutures.eu oder folgen Sie MediaFutures auf TwitterLinkedIn und auf Instagram.