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Interview mit Dr. Dominik Rohrmus über Weiterbildung
Dr. Dominik Rohrmus

„Weiterbildung der Mitarbeiter von höchster Bedeutung“

Die Digitalisierung der Industrie funktioniert nicht ohne qualifizierte Mitarbeiter. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erhalten dabei Unterstützung vom gemeinnützigen Verein Labs Network Industrie 4.0 (LNI). Dr. Dominik Rohrmus über die Aufgaben des LNI, die digitale Weiterbildung in KMU und welche Rolle die Pandemie dabei spielt.

Dr. Dominik Rohrmus
Dr. Dominik Rohrmus, CTO des LNI e. V.

 

Herr Dr. Rohrmus, was ist das LNI?

LNI ist ein vorwettbewerblicher Verein, der auf Initiative von großen deutschen Industrieverbänden wie VDMA, ZVEI und Bitkom sowie großen deutschen Industrieunternehmen gegründet wurde. Der Verein dient dem Zweck, den Mittelstand und auch kleine Unternehmen auf dem Weg der digitalen Transformation zu begleiten und zu unterstützen. Das L von LNI steht für Labs. Gemeint sind dabei Testzentren, in denen seit nunmehr sechs Jahren sogenannte Use-Case-Projekte stattfinden. In Hannover zum Beispiel sind diese Labs das Forschungszentrum L3S und das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hannover. Die Ergebnisse der Use Cases unterstützen die internationale Standardisierung und Normierung in Form von sogenannten Testbeds.

Was hat das LNI mit Aus- und Weiterbildung zu tun?

LNI ist gemeinnützig und hat einen Bildungsauftrag. Wir fokussieren uns dabei auf die berufliche Aus- und Weiterbildung. Die genannten Use Cases finden zusammen mit KMU und Bildungsträgern statt. Diese Bildungs-Use-Cases sind sehr breit gefächert: von Train-the-Trainer-Konzepten innerhalb einer Firma bis hin zu großen Online-Projekten wie OpenDigiMedia, das wir sehr gerne in Hannover unterstützt haben. OpenDigiMedia ist eine Lernplattform zur Industrie 4.0, die verschiedene Online-Kurse speziell für KMU im Umfeld des produzierenden Gewerbes entwickelt. Das ist wichtig, da KMU schon aufgrund ihrer Größe nicht die Möglichkeit haben, Ressourcen für Aus- und Weiterbildung vorzuhalten. Daher sind gerade jetzt in der Pandemiezeit Online-Kursangebote für die Industrie-4.0-Weiterbildung der Mitarbeiter von höchster Bedeutung.

Was ist die Aufgabe des LNI in den Use Cases?

LNI hat die Aufgabe des Maklers. Wir vermitteln kleine und mittlere Unternehmen an die erwähnten Labs, also die Testzentren.

Wie finden Sie diese kleinen und mittleren Unternehmen?

Im Wesentlichen über die 79 Industrie- und Handelskammern. Diese kennen Großteils LNI und kommen auf uns zu, wenn Sie etwa von Problemen in einem ihrer Unternehmen hören. Dann stellen wir eine Verbindung her. Beispielsweise zum Projekt OpenDigiMedia. Das Ausprobieren, das Anwenden, das Erfahrung sammeln der KMU-Mitarbeiter ist von größter Wichtigkeit, um Hemmschwellen abzubauen. Es ist auch wichtig, dass die Inhalte und die Pädagogik ständig optimiert werden. Wir sind hier in der beruflichen Erwachsenenweiterbildung. Das braucht geeignete pädagogische Konzepte und Zugänge. Es sollte nicht unterschätzt werden, dass Mitarbeiter sehr intensiv in ihren Berufe eingebunden sind. Alle Unternehmen, mit denen wir zu tun haben, legen größten Wert auf Weiterbildung und geben den Mitarbeitern die notwendigen Freiräume. Immerhin darf ich hier für fast 300 KMU in der Bundesrepublik sprechen, mit denen wir regelmäßig im Austausch sind. OpenDigiMedia mit seinem bewusst digitalen Format erleichtert hier viele Dinge in der praktischen Umsetzung.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Weiterbildung ausgewirkt?

Pandemiebedingt ist die Nachfrage nach Online-Bildungsinhalten nach oben geschnellt, denn die Firmeninhaber – oftmals bei uns familiengeführte Betriebe – haben natürlich sofort festgestellt, wie wichtig jetzt die digitale berufliche Weiterbildung ist. Bewusst auf digitale Pädagogik ausgerichtete Angebote waren schon vor der Pandemie vorhanden. Die Kunst ist es, dass die pädagogischen Konzepte und Bildungsinhalte zu den gestandenen Berufstätigen passen. OpenDigiMedia hat das für den Industriebereich und Industrie 4.0 exzellent umgesetzt.

Und das ist ein Kriterium, warum Sie das Projekt den KMU anbieten?

Genau. Keiner kann alle Angebote im Bereich der beruflichen Weiterbildung vollständig überblicken. Das maßt sich LNI jedenfalls nicht an. Ich selbst habe OpenDigiMedia als ein gut durchdachtes Konzept kennengelernt und lege es wirklich gerne den KMUs ans Herz. Gerade jetzt in der Pandemiezeit fügt sich das Format gut in die vermehrte Bildschirmarbeit ein. Eine flexible Zeiteinteilung ist hier möglich und das passt zur Weiterbildung der Mitarbeiter in Richtung Digitalisierung und Industrie 4.0.

Welche KMU sind denn beim LNI besonders engagiert?

Im besonderen Fokus sind Familienunternehmen, die oftmals nur eine kleine akademisch ausgebildete Mitarbeiterzahl haben. Diese Unternehmen haben natürlicherweise eine gewisse Hemmschwelle beim Betreten universitärer Labore. An dieser Stelle bricht LNI das Eis und öffnet Wege in die genannten Testzentren für Industrie 4.0.

Fällt es den KMU eigentlich leicht, das Weiterbildungsangebot wahrzunehmen?

Es ist  für produzierende KMU immer noch eine gewisse Herausforderung, den Mitarbeitern Online-Schulungsprogramme nahezubringen. Nicht jeder Mitarbeiter hat einen eigenen Bildschirmarbeitsplatz zur Verfügung. Hier ist der Unternehmer gefordert. Im Alltag des Unternehmens ist das eine Herausforderung, aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern ganz bewusst das Thema anzugehen. Schritt für Schritt.

Herr Dr. Rohrmus, vielen Dank für das Gespräch!

https://lni40.de/

www.opendigimedia.de

Interview: Susanne Oetzmann