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Innovationen in Fluss bringen

Was macht ein Fahrzeug heute wertvoller als ein anderes? Wohl eher nicht der neue Lack oder der Schwung im Kotflügel. In den Zeiten der digitalen Revolution steckt ein großer Teil der neuen Werte in der Software und in einer intelligenten Umgebung. Innovationen sind gefragt, und dafür können große Unternehmen und die universitäre Forschung zusammenarbeiten.

Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) hat sich zum Ziel gesetzt, der beste Transportanbieter der Welt zu werden - auch dank sogenannter Mobiler Online-Dienste (MOD), die zum Beispiel wichtige Fahrzeugdaten auf das Smartphone übertragen. Um die Entwicklung voranzutreiben, Innovationen schnell umzusetzen und auf Veränderungen reagieren zu können, hat VWN intern eine schlagkräftige Einheit gegründet: das sogenannte MOD-Projekthaus. Mehrere Teams entwickeln dort mit agilen Methoden unter anderem ein digitales Fahrtenbuch. Es soll Kunden mit Fahrzeugflotten ermöglichen, ihre Fahrzeuge im Blick zu behalten, automatisch Routen zu speichern, die Fahreffizienz zu überprüfen und Wartungsarbeiten zu planen. 

Optimierte Projektentwicklung

Bei der agilen Entwicklung stehen noch nicht alle Anforderungen zu Beginn eines Projekts fest; denn gerade innovative Aspekte brauchen oft mehrere Iterationen, um sich von einer faszinierenden Idee zu einem reifen Konzept zu entwickeln. Daher wechseln sich Anforderungsanalyse und Realisierung von Teilfunktionalitäten rasch ab. Mit dieser Methode klärt sich schrittweise, welche Konzepte noch weiter ausgearbeitet werden müssen und wodurch schon echter Kundenwert entsteht. Neue Erkenntnisse können auch noch später in das Produkt eingebaut werden. So wird das Projekt schneller und flexibler.

Dr. Michael Nolting, Head of Digital Services & Data Analytics bei VWN, hat dazu klare Vorstellungen: „Die Vision des Projekthauses ist es, mit Beginn der Serienproduktion ein Release pro Tag zu schaffen.“ Das soll den Kunden das Gefühl geben, jeden Tag in ein Fahrzeug mit neuen und verbesserten Funktionen zu steigen. Das Projekthaus will dafür den Projektfluss verbessern - von der Entstehung neuer Anforderungen und Konzepte bis zur Auslieferung neuer Funktionen. Wenn dieser Fluss einmal in Gang ist, können agile Teams sehr performant arbeiten. In einem großen Unternehmen wie VWN ist es allerdings nicht einfach, diesen Fluss stetig aufrechtzuerhalten. Zu viele Randbedingungen und Beziehungen zu anderen Disziplinen, wie dem Maschinenbau, schränken die Möglichkeit ein, in der Softwareentwicklung ganz neue Wege zu gehen. Daher hat sich VWN entschieden, am L3S gemeinsam mit Prof. Dr. Kurt Schneider vom Lehrstuhl Software Engineering (SE) der Leibniz Universität Hannover systematisch zu erforschen und zu erarbeiten, wie eine für die Praxis maßgeschneiderte Methode aussehen kann, die den Fluss optimiert und die gewünschte Flexibilität erreicht, um Innovationen schnell in den Markt bringen zu können.

„Die Entwicklung und Umsetzung von Innovationen gelingt nur mit technischen Fähigkeiten und mit der Fähigkeit, die Ideen schnell und verständlich zwischen allen Beteiligten weiterzugeben. Beim Feintuning von Entwicklungsmethoden kommt es darauf an, Kommunikation, Flexibilität und Qualität gemeinsam im Auge zu behalten“, sagt Prof. Schneider.

Die Mitarbeiter von Dr. Nolting erarbeiten zusammen mit Nils Prenner vom Lehrstuhl Software Engineering derzeit Möglichkeiten, den Fluss von Ideen zu Innovationen und Produkten systematisch zu erfassen und zu optimieren. Mit der vom Lehrstuhl entwickelten Methode FLOW werden dafür Informationsflüsse und Kommunikationswege qualitativ modelliert. Zurzeit entwickelt das Team ein Qualitätsmodell mit Kriterien und Maßzahlen, die erforderlich sind, um den Fluss zu bewerten und weiter zu verbessern.

 

FLOW-Ausschnitt

Kontakt:

Prof. Dr. Kurt Schneider

Schneider@L3S.de

L3S-Mitglied Kurt Schneider leitet das Fachgebiet Software Engineering (SE) der Leibniz Universität Hannover. Er forscht unter anderem zur Kommunikation in Softwareprojekten und ist Sprecher der Forschungsinitiative „Mobiler Mensch“ an der Leibniz Universität Hannover, an der das L3S beteiligt ist.