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KI für eine gerechte, friedliche und integrative EU

Eine sichere, freie und integrative Gesellschaft ist ein wesentliches Ziel der Europäischen Union - und zugleich eine große Herausforderung. Vor dem Hintergrund eines beispiellosen globalen Wandels, wachsender Abhängigkeiten und Risiken fördert die EU Forschungs- und Innovationsprojekte, mit denen die zivile Sicherheit der europäischen Gesellschaft und ihrer Bürger gestärkt werden soll. Die EU erhofft sich davon, sich entwickelnde Risiken früher erkennen und verhindern sowie besser handhaben zu können. Das L3S leistet mit den EU-Projekten MIRROR und ROXANNE einen Beitrag.

 

MIRROR: Fehlinformationen erkennen

MirrorMigration ist auch für die Europäische Union ein wichtiges Thema, das mit Chancen, aber auch mit Risiken verbunden ist - sowohl für die Migranten als auch für die Gesellschaften. Wie potentielle Zuwanderer die EU und ihre Mitgliedsstaaten wahrnehmen, hat einen hohen Einfluss auf Entscheidungen, die sie vor und auf dem risikoreichen Weg nach Europa treffen. Das Bild, das Menschen von Europa haben, kann jedoch von eingeschränkter Wahrnehmung und gezielten Desinformationskampagnen beeinflusst werden. Die daraus resultierenden Fehleinschätzungen beeinträchtigen die Entscheidungen im Kontext der Migration, etwa die Wahl der Route, und können zu zusätzlichen Risiken sowohl für Migranten als auch für die Grenzsicherheit führen. Behörden und politische Entscheidungsträger wollen daher besser einschätzen können, wie Europa wahrgenommen wird und welche Risiken sich daraus ergeben. Im EU-Projekt MIRROR entwickeln Wissenschaftler des L3S eine integrierte Plattform und eine systematische Methodik, um öffentlich zugängliche Quellen mit dieser Fragestellung umfassend zu analysieren. So sollen Diskrepanzen zwischen Erwartungen und Realität erkannt werden. Ein KI-basiertes Modell durchsucht dazu beispielsweise soziale Medien, Nachrichtenportale und andere Quellen nach migrationsrelevanten Texten, Bildern und Videos und schätzt die Stimmung im Hinblick auf ökonomische und soziale Faktoren ein, etwa die Lage auf dem Arbeitsmarkt oder die Situation von Minderheiten. Dabei stellt das Modell die Stimmungslage in Europa dem Bild Europas in den Herkunftsländern potentieller Zuwanderer gegenüber.

Bei der Entwicklung und dem Einsatz der Technologien berücksichtigt MIRROR auch ethische und rechtliche Aspekte sowie Fragen der gesellschaftlichen Akzeptanz. Um ein fundiertes Bild der Wahrnehmung Europas zeichnen zu können, vereint das Projekt Experten aus unterschiedlichen Diszplinen und Einrichtungen, darunter Hochschulen, IT-Unternehmen, Sicherheitsbehörden und Nichtregierungsorganisationen (NGOs).

 

ROXANNE: Kriminelle Netzwerke aufspüren

RoxanneIn Sicherheitsfragen steht die Europäische Union vor wachsenden und zudem immer komplexer werdenden Herausforderungen. Eine erhebliche Bedrohung für die moderne Gesellschaft und die Sicherheit Europas ist die organisierte Kriminalität - die am schwierigsten zu untersuchende Form der Kriminalität. Beträchtliche Finanzströme verschaffen kriminellen Netzwerken Zugang zu Ressourcen und modernen Technologien. Die polizeilichen Ermittler überwachen zwar Datenkanäle und identifizieren relevante Personen und Orte, die sie anhand ihrer Beziehungen und Aktionen zu Netzwerken verknüpfen. Aber besonders in den größeren Fällen organisierter Kriminalität bleibt die Ermittlungsarbeit schwierig und zeitaufwendig - vor allem aufgrund der Komplexität der Netwerke und der großen Datenmengen, die ausgewertet werden müssen und die mit Unsicherheiten behaftet sind. Ein zusätzliches Problem: Die Täter kommunizieren in unterschiedlichen Sprachen. In diesen Situationen übersteigt die Arbeitsbelastung häufig die Möglichkeiten des Ermittlerteams. Rund 80 Prozent des Zeitaufwands entfallen allein auf die Datenbereinigung und –normalisierung. Eine weitere Herausforderung bei der Fallbearbeitung ist das Herausfiltern relevanter Informationsquellen. Außerdem gibt es für bestimmte Aufgaben keine Softwarelösungen, etwa für die Analyse von Geodaten.

 

Um dem entgegenzuwirken, befasst sich das L3S im EU-Forschungsprojekt ROXANNE mit Netzwerk-, Text- und Audio-Analyse für eine effektive Bekämpfung organisierter Kriminalität. Beteiligt sind weitere Forschungspartner und Sicherheitsbehörden, darunter Interpol und einer Reihe europäischer Strafverfolgungsbehörden. Die ROXANNE-Plattform ist in der Lage, schnell und automatisch Audioquellen zu verarbeiten und zu analysieren. Sie kann in den Datenquellen Bezüge zwischen den Quellen herstellen sowie Texte in mehreren Sprachen automatisch erkennen und verarbeiten, ergänzt durch Video- und geographische Meta-Informationsverarbeitung. Schließlich werden die Beziehungen zwischen relevanten Entitäten wie Personen oder Orte automatisch ermittelt und analysiert. Auf diese Weise erhalten die Ermittler ein verbessertes Bild der kriminellen Netzwerke. Allerdings spiegeln die zur Verfügung stehenden Informationen nur Vermutungen wider, die zudem durch die automatische Extraktion mit Unsicherheiten behaftet sind. In diesem Bereich forscht das L3S und entwickelt neuartige KI-Algorithmen, die auch bei Unsicherheiten in den Daten gute Ergebnisse liefern können. 

 

https://h2020mirror.eu/

https://roxanne-euproject.org/

 

Kontakt:

Dr. Claudia Niederée

niederee@L3S.de

Claudia Niederée ist Forschungsgruppenleiterin am L3S. Sie koordininiert und leitet das Projekt MIRROR.

 

Dr. Sergej Zerr

SZerr@L3S.de

Sergej Zerr ist Forschungsgruppenleiter am L3S und Projektleiter von ROXANNE.

 

Dr. Erick Elejalde

Elejade@L3S.de

Erick Elejade ist Postdoc am L3S und Projektleiter von MIRROR.