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Sechs Fragen an Thomas Hahn, Präsident BDVA
Thomas Hahn ist Chief Software Expert bei Siemens und Präsident der Big Data Value Association (BDVA)
Thomas Hahn ist Chief Software Expert bei Siemens und Präsident der Big Data Value Association (BDVA),  Foto: Siemens AG


Was sind die Ziele der BDVA und was ist Ihre eigene Rolle dabei?

Die Big Data Value Association (BDVA) baut ein europäisches Innovationsökosystem mit folgenden Zielen auf: erstens die auf Daten-Analyse („Big Data“) und künstlicher Intelligenz („KI“) basierende digitale Transformation in und für Europa zu unterstützen, zweitens den höchstmöglichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen („Value“) zu generieren und drittens Europas Weg hin zu einer führenden Rolle bei der Wertgenerierung aus Big-Data- und KI-Technologien zu unterstützen. Deshalb arbeitet der BDVA mit Partnern aus Industrie und Forschung zusammen, also mit kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), Startups, global agierenden Konzernen sowie Forschungseinrichtungen und Universitäten.

Aktuell etabliert BDVA zusammen mit Claire, Ellis, EurAI und euRobotics eine gemeinsame Partnerschaft zu den Themen künstliche Intelligenz, Data und Robotik. Dabei treibt uns folgende Vision an: Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken, das gesellschaftliche Wohlergehen mehren und die Herausforderungen der Umwelt aktiv angehen. Denn nur so können wir weltweit führend sein bei der Erforschung, Entwicklung und Bereitstellung nutzenstiftender vertrauenswürdiger KI, Data und Robotik – und zwar auf der Grundlage europäischer Grundrechte, Prinzipien und Werte.

Für mich persönlich ist es eine große Ehre, seit Ende 2018 der Präsident der BDVA zu sein und zusammen mit einem sehr kompetenten und engagierten Team dies umzusetzen.

Wie unterstützt Siemens die BDVA?

Bei Siemens sind wir davon überzeugt: KI wird das Kräfteverhältnis an den Märkten und Wertschöpfungsketten nachhaltig beeinflussen. Hier müssen wir in Europa unsere Position behaupten und ausbauen. Europa kann und muss der Schrittmacher für die industrielle KI sein – denn in Europa ist das Domain-Wissen verfügbar, und hier existiert ein starkes Netzwerk zwischen den KMU, den großen Unternehmen, Verbänden, Forschungsinstituten und den Regierungen. Deshalb ist es für uns wichtig, die Einrichtung einer europäischen Partnerschaft zu KI, Data und Robotik als zentrale Drehscheibe mitzuentwickeln.

Für Siemens sind die Digitalisierung und die Generierung von Kundennutzen aus Daten mithilfe von KI absolut relevant. Es versetzt sowohl uns als auch unsere Kunden in die Lage, neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen.

Siemens ist Gründungsmitglied der BDVA und unterstützt die Ziele der BDVA aktiv – persönlich durch mich respektive durch meinen Kollegen.

Innovation durch datengetriebene Innovationen und künstliche Intelligenz ist eines der Kernziele der BDVA. Wie sehen Sie europäische Unternehmen in diesen Bereichen aufgestellt?

Wir haben, sobald es in die Anwendungen geht – produzierende Industrie, Medizintechnik oder Mobilität, um nur einige zu nennen – nach wie vor eine weltweite starke Stellung inne und sind auch in vielen Anwendungen Weltmarktführer. Sicherlich dürfen wir uns darauf nicht ausruhen, aber wir sollten uns in Europa auch nicht hinter unseren Erfolgen verstecken.

Es wird viel über die Hyperscaler, deren Dominanz bei datengetriebener Innovation und deren Vormachtstellung gesprochen.

In dem weiten Feld der KI-Anwendungen im Business-to-Business-Bereich (B2B) wird in den kommenden Jahren viel realisiert werden. Es werden ein umfassendes Domain-Know-how und die Erfahrungen von europäischen Unternehmen gefragt sein, wenn es darum geht, etablierte Prozesse und Verfahren auf Basis der Analyse von Daten und KI zu verbessern.

Wir sollten uns hier mit Elan einbringen, uns zusammentun, uns fokussieren und unsere Stärken in Europa nutzen. Und dabei müssen wir auch neue Geschäftsmöglichkeiten adressieren – wobei wir sicherlich auch sehr viel von den Erfahrungen zum Beispiel aus dem Silicon Valley lernen können.

Was sind aktuell die wichtigsten Initiativen der BDVA, und wie gehen Sie hier voran?

Die aktuell wichtigste Initiative, in der ich mich auch am stärksten engagiere: die neue Partnerschaft zu KI, Data, Robotik und Embedded-Anwendungen zu etablieren – in und für Europa und unter Einbeziehung von Forschung, Industrie, KMU und Startups.

Ein wichtiges Instrument der BDVA sind die European Innovation Spaces. Können Sie deren Aufgaben näher beschreiben?

Die Erarbeitung von Spezifikationen und das gemeinsame Erarbeiten von Technologien sind sehr wichtig. Aber all dies muss vor deren produktiven Einsatz erprobt werden. Und genau dort spielen „Innovation Spaces“ eine sehr wichtige Rolle. Ihre Aufgaben bestehen darin, neue Technologien vor deren Nutzung zu erproben, neue Herausforderungen zu finden und andere Themenbereiche wie etwa Standardisierung zu beeinflussen – nicht zu vergessen, dass man auch regional verteilte Ansprechpartner braucht.

BDVA hat hierfür „European Data Innovation Spaces und Hubs“ etabliert, um die Einführung von Big-Data- und KI-basierten Innovationen in allen Bereichen der europäischen Industrie voranzutreiben. Bestehende Hubs können jedes Jahr nach einem Bewertungsprozess auf der Grundlage eines Kriterienkatalogs ein Label als „BDVA i-Space“ erhalten: Die zugrunde gelegten Kriterien sind Exzellenz der Infrastruktur, Qualität der Dienstleistungen, Projekte und Sektoren, Auswirkungen auf das Ökosystem und das Geschäftsmodell.

Das L3S ist einer dieser Innovation Spaces. Wie viele weitere gibt es in Deutschland und in Europa, und welche Bereiche decken diese ab?

Es gibt heute insgesamt 15 Innovation Spaces über Europa verteilt, davon zwei in Deutschland. Die vollständige Liste finden Sie unter http://www.bdva.eu/node/1172. Die Innovation Spaces decken eine große Bandbreite von Feldern ab: Analyse von Daten mit High-Performance-Computing, Erforschung der industriellen Anwendung von Big Data, Testen von Big-Data-Anwendungen, Erforschung und Erprobung von Methoden der KI, Erarbeitung von Empfehlungen und Strategien für Business, Politik und Gesellschaft, um nur einige zu nennen. Jedes Jahr macht sich die BDVA auf die Suche nach neuen Innovation Spaces – aktuell läuft der Prozess für 2020: http://bdva.eu/node/1466. Der Innovation Space L3S ist ein sehr starker, kompetenter und hoch geschätzter Partner im Team der Innovation Spaces von BDVA!

 

Die Fragen stellte Prof. Dr. Wolfgang Nejdl, L3S